„Man kriegt einfach einen ganz anderen Blickwinkel“
Katharina Albers und Deme Ymeri machen ein Freiwilliges Soziales Jahr im Pflegezentrum
Dienst bietet Selbsterkenntnis, bessere Zukunftsaussichten und Dankbarkeit der Betreuten
Die richtigen Worte wollen ihnen noch nicht so recht über die Lippen gehen: „Wir füttern die Bewohner“, berichten Katharina Albers und Deme Ymeri von ihren Aufgaben, und Kunigunde Hundt korrigiert sogleich – im LWL-Pflegezentrum heißt es „Essen anreichen“. Den kleinen Patzer verzeiht Einrichtungsleiterin Hundt den beiden jungen Leuten jedoch schnell: Immerhin haben sie gerade erst mit ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) begonnen.
Vier Stellen für einen solchen Freiwilligendienst, wie es ihn mittlerweile vielerorts in Deutschland und auch im Ausland gibt, bietet das Pflegezentrum. Zwei davon sind seit Montag mit der 19-jährigen Warsteiner Abiturientin und dem 18-Jährigen, der sein Fachabitur in Bestwig ablegte, besetzt. „Als Einrichtung haben wir ja eine besondere gesellschaftliche Verantwortung“, erklärt Kunigunde Hundt, weshalb sie bereits seit einigen Jahren immer wieder FSJ-Stellen in ihrem Budget einplant: „Ich finde es ganz wichtig, jungen Leuten eine Chance zu geben, und da ist so etwas ein guter Einstieg.“
Die Möglichkeit, erste Schritte im Pflegebereich zu gehen, ist es auch, die die Jugendlichen zum FSJ im LWL-Pflegezentrum brachte: Deme Ymeri will Krankenpfleger werden, Katharina Albers strebt ein Psychologiestudium an. „Ich wollte mich testen“, berichtet die Warsteinerin mit Blick auf die Herausforderung, den Alltag pflegebedürftiger Menschen in allen Schattierungen mitzuerleben: „Es ist gut, zu sehen, wie man damit fertig wird, dass ich dann wirklich weiß, dass ich das durchziehe.“
Tatsächlich lernt man im Pflegebereich vor allem sich selbst kennen, wo etwa die eigenen Grenzen bei Berührungsängsten und auch Ekelgefühlen liegen, weiß Kunigunde Hundt aus Erfahrung. Pressereferentin Eva Brinkmann ergänzt: „Man muss für die Pflege geboren sein“, um mit der Nähe zu den rund um die Uhr Betreuten umgehen zu können.
Die Gratwanderung zwischen eigenen Vorstellungen und den Bedürfnissen der Bewohner konnte Deme Ymeri gleich am ersten Tag erleben: Zwar brachte er bereits Praxiswissen aus seinem Jahrespraktikum im Integrativen Kindergarten in Allagen in sein FSJ mit. Als er dann aber in der Wohngruppe, wo er hauptsächlich tätig ist, einen Bewohner in einen Stuhl setzen sollte, wusste er nicht, wie fest er anpacken durfte. „Ich hatte Sorge, dass er sich was bricht.“
Das Pflegepersonal steht
stets helfend zur Seite
Um solche Befürchtungen zu zerstreuen, und die beiden Neulingen einzuarbeiten, stehen ihnen stets erfahrene Pflegekräfte zur Seite. Sie geben den FSJ-lern Hilfestellung bei allen Aufgaben: Morgens müssen die Bewohner geweckt, manche geduscht, andere gewaschen werden. Anschließend wird beim Frühstück das Essen angereicht. Am Vor- und Nachmittag folgen allerlei Beschäftigungsangebote, vom Malen über Kegeln und Sitztanzen bis hin zu Filmvorführungen und Ausflügen.
Weitere Unterstützung bekommen die Jugendlichen auch vom Träger, in ihrem Fall dem Deutschen Roten Kreuz. Während ihres FSJ werden sie mehrfach an fünftägigen Seminaren teilnehmen, bei denen ihnen die Rechte und Pflichten von FSJ-lern, aber auch Grundlagen zur sozialen Arbeit vermittelt werden.
Derart umsorgt, gehen die beiden hochmotiviert an ihre neue Arbeit. Schon jetzt dürfen sie kleinere Aufgaben selbständig erledigen, und die Bewohner haben ihre neuen Betreuer bereits ins Herz geschlossen – überschwänglicher Dank ist den beiden für ihre Hilfe sicher. „Ich merke nach einer halben Woche schon, dass das eine tolle Erfahrung ist, man kriegt einfach einen ganz anderen Blickwinkel“, freut sich Katharina Albers.












