Kalksteinabbau in jedem Licht betrachtet
Viktoria Foof (18) schrieb Facharbeit zu vieldiskutiertem Thema
Die Kalksteinindustrie in Warstein stellt für die heimische Region zwar einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor dar, allerdings profitiert Warstein bisher nicht genug vom Kalksteinabbau. Zu diesem Ergebnis kommt die Schülerin Viktoria Foof des Gymnasiums Warstein im Rahmen einer vor über einem Jahr begonnen Facharbeit (wir berichteten).
Abiturienten müssen in der 12. Klasse eine Facharbeit von mindestens 12 Seiten schreiben. Das Werk der 18-jährigen Viktoria Foof hat 27 Seiten. Betreut wurde sie von Fachlehrer Alfons Schrage. In ihren Ausführungen stellt die Schülerin das Für und Wider des Kalksteinabbaus in Warstein dar. Dabei setzt sich die junge Frau kritisch mit harten Faktoren wie dem wirtschaftlichen Nutzen der Steinindustrie auseinander, geht aber auch auf sensible Aspekte wie Gesundheitsgefährdung für die Bürger oder den Trinkwasserschutz ein.
Ihre Arbeit hat die Abiturientin auch der Firma Westkalk vorgelegt. Deren Geschäftsführer Raymund Risse zeigte sich „von den verdichtenden und beachtenswerten Fakten und Gedanken sehr beeindruckt". Die Schülerin macht in diesem Jahr ihr Abitur am Gymnasium Warstein. Anschließend will sie Betriebswirtschaft kombiniert mit Sprachen und Kulturwissenschaften studieren.
Viktoria Foof hatte sich für das Thema aus aktuellem Anlass entschieden. Nach Beobachtung der Schülerin befürchten viele, dass der Kalksteinabbau eine Gefährdung der Trinkwassergewinnung durch Grundwasser-Verschmutzungen darstellen könnte oder durch Sprengungen Kluftspalten außerhalb der Quellen freigelegt werden könnten.
Furcht der Bürger
Ein Akzeptanzproblem habe die Kalksteinindustrie generell, weil sich die Bürger vor Feinstaubbelastungen, Steinflug und Erderschütterungen fürchteten, so ein Ergebnis. Hinzu komme ein hohes Lkw-Aufkommen in Warstein und Belecke, das zu Verkehrsbehinderungen und Verschmutzungen führt.
Bei ihren Recherchen hatte sich die 18-Jährige nicht bloß aus der Fachliteratur und dem Internet bedient. Vor allem hatte Viktoria Foof das persönliche Gespräch gesucht. So war die Schülern u.a. bei den Steinabbaubetrieben vor Ort, sprach mit Bürgermeister Manfred Gödde und den zuständigen Fachabteilungen, den lokalen Wasserwerken, dem BUND sowie mit Bewohnern am Rand der Steinabbaubetriebe. Raymund Risse dazu: „Eine wirklich gute und fundierte Arbeit, auch wenn wir stellenweise kritisch beleuchtet werden." Risse macht klar: „Wir bei Westkalk haben ja kein Problem mit Kritik schlechthin. So, wie sich Frau Foof mit uns auseinandergesetzt hat, wünschen wir uns die Diskussion ganz grundsätzlich, nämlich hart aber fair. Was uns einfach stört, sind undifferenzierte Kritik und Totschlagargumente."
Warstein als Steinabbaugebiet spiele eine wichtige Rolle als Rohstofflieferant. Dabei verweist die Autorin u.a. auf den Arbeitsbericht „Rohstoffsicherung in NRW" des Landes (Stand Dezember 2005). Demnach kommt den Kalk- und Dolomitsteinvorkommen in NRW eine, so wörtlich, „herausragende wirtschaftliche Bedeutung" zu.
Rohstoffvorsorge
Auch Warsteins Kalksteinindustrie sichere die staatlichen Vorsorgeplanungen. Die Nachfrage sei groß: 60 Prozent der deutschen Kalkstein- und Dolomitproduktion wird laut Arbeitsbericht in NRW erstellt, die Lagerstätten in NRW bedienten 50 der bundesweit 92 Unternehmen der Kalkbranche.
In ihrer Betrachtung geht Viktoria Foof auch auf ökonomische und arbeitsmarktpolitische Konsequenzen ein. Der Warsteiner Kalksteinabbau sowie die davon abhängigen Betriebe sicherten Arbeitsplätze in der Region. Weiterer positiver Aspekt: Die Kalksteinwände könnten nach Beendigung der Abbautätigkeit als Kletterwände für Freizeitsportler erschlossen werden, insofern die genehmigungsrechtlichen Vorgaben dies ermöglichen.
Zu den Sorgen und Ängsten der Bürger nimmt Raymund Risse Stellung: „Wir nehmen Trinkwasserschutz, Feinstaubbelastungen und Sprengerschütterungen sehr ernst. Darum haben wir kontinuierlich Messungen von Erschütterungen vorgenommen und tun es weiter. Immer lagen und liegen die Ergebnisse deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerten. Das gleiche gilt für den Trinkwasserschutz. Auch hier bewegen wir uns im Rahmen des technisch Möglichen und des rechtlich Erlaubten, um beim Abbau gar nicht erst mit dem Grundwasser in Berührung zu kommen." Es müsse aber gestattet sein, angesichts verbesserter Forschungsmethoden, die bisher geltenden Abbaugrenzen in Frage zu stellen, betont Risse.
Einige Vorschläge aus der Arbeit von Viktoria Foof hat Westkalk umgesetzt: So wurde ein Dialog mit unmittelbar betroffenen Bürgern in Gang gesetzt. Ferner gibt es einen Fonds, aus dem Sprengschäden beglichen werden.












