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Warsteiner Gymnasiasten bieten Rassismus die Stirn

(2. Bild von Tanja Frohne)

Auszeichnung gestern Morgen bei Festakt im Forum verliehen - Musikbeiträge, Reden, Kurzlesungen und Projektvorstellung prägten Feierstunden

Diskriminierung kann jedem schon im Kleinen begegnen, beiläufig: „Assi“ oder „schwul“ oder „Nigger“ sind etwa Teil der Jugendsprache, „so finden sich viele Redewendungen, die diskriminierend sind“, weiß Werner Humbeck, Schulleiter des Warsteiner Gymnasiums.

 

Natürlich geht die Skala der Respektlosigkeiten vor anderen Menschen noch weiter. Gerade deswegen haben sich die Gymnasiasten nun öffentlich zu einer „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekannt. Die Warsteiner Gymnasiasten wollen Rassismus die Stirn bieten. Mit einer Unterschriftenaktion und der Vorstellung ihres Buchenwald- und Auschwitzprojektes bekundeten sie dies und bewarben sich damit bei dem gleichnamigen bundesweiten Projekt. Übrigens als allererste Schule in Warstein – Nummer 185 landes- und Nummer 760 bundesweit. Gestern besuchte Sevgi Kahraman-Brust von der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) das Gymnasium. „Ich bin total begeistert von euren Beiträgen“, lobte sie die Lieder und Aufführungen, die die couragierten jungen Menschen zur Feier der Auszeichnung darboten. Eine Urkunde und ein Schild an der Eingangstür werden künftig öffentlich klar machen: Rassismus hat hier keinen Platz. Aber: „Ihr müsst für die Urkunde jedes Jahr weiter arbeiten, dabei gilt es auch, Vorbild zu sein.“

 

Der Wunsch, etwas gegen Diskriminierung zu tun, ging von den Schülern der Klasse 8c und den Lehrern Marlies Kühle, Jan Hendrik Möcker und Anne Jansen aus. Die Schirmherrschaft hat der ehemalige Bundespolitiker Franz Müntefering übernommen.

 

Der Festakt im Forum war von vielen Akteuren geprägt. Das Schulorchester unter der Leitung von Klaus-Arthur Feller begleitete den Morgen musikalisch. Ihr Projekt erklärten die Schüler selbst anhand von Gesprächen, Kurzlesungen, einer Fotoshow und auf Plakaten. Schülerin Lisa Heppelmann: „Wir wollen nicht warten, bis etwas passiert ist. Wir wollen verhindern, dass etwas passiert.“ Zusammen mit Alicia Martin, Antonella Murrone und Magdalena Nübel begründeten sie die Teilnahme. Die Globalisierung mache vor der Stadt Warstein nicht halt. „Hier gibt es Menschen mit Migrationshintergrund und Asylanten“, so Antonella Murrone. Und in der Nachbarschaft seien mit der Moschee in Meschede, dem Hindu-Tempel in Hamm und der neuen Synagoge in Dortmund neue Religionen angekommen.

 

So sprach auch Dr. Ahmet Arslan, Dialogbeauftragter des türkisch-islamischen Kulturvereins und Islamkundelehrer in Meschede, zu den Schülern. Mit dem Kulturverein möchte das Gymnasium in Zukunft einen regen Austausch pflegen, beispielsweise soll zu gegenseitigen Besuchen der Moscheen und Kirchen eingeladen werden.

 

„Aus der Verantwortung für eine respektvolle Bildung und Erziehung heraus haben sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasiums für den Abbau von Vorurteilen eingesetzt“, so Arslan. Das Bestreben der Schüler nannte er „ein großes Werk, das nicht hoch genug eingeschätzt werden kann“. Schulleiter Werner Humbeck verstand die Urkunde daher nicht als Preis, „sondern als eine Verpflichtung für alle“.

 

Vizebürgermeisterin Elke Bertling lobte die Gymnasiasten im Namen von Rat und Verwaltung. „Es erfüllt uns mit Stolz, dass das Gymnasium die Auszeichnung erfährt.“ Bertling hofft, dass die Gymnasiasten „Stammtischparolen keinen Nährboden geben“, sondern als tolerante und selbstkritische Bürger die Gesellschaft prägen. „Möge euer Wirken in unserer Stadt weite Kreise ziehen, damit Rassismus und Diskriminierung keine Chance haben“, erklärte die Vizebürgermeisterin.

 

Jetzt hoffen die Gymnasiasten, dass auch in der Stadt Warstein Bestrebungen unternommen werden, um den Titel „Gemeinde gegen Rassismus – Gemeinde mit Courage“ zu erlangen.


Mittwoch, 14. Juli 2010

Von: Dirk Lankowski, WA, 13.7.2010





 

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