„Ein Auge ausstechen, damit es dem anderen besser geht..."
Literaturkurs 12 des Gymnasiums führt Molieres „Der eingebildete Kranke" auf
„Sobald man in Robe redet, wird jedes Geschwätz zur Weisheit"
„Der eingebildete Kranke" (grandios gespielt von Marvin Feldmann), ist ein Hypochonder, ständig mit sich und seinen Krankheiten beschäftigt. Er lebt mit seiner zweiten Ehefrau, der berechnenden Beline (überzeugend heuchlerisch Ronja Fabry) und den beiden Töchtern, der lieblichen Angelique (Katharina Albers) und der kindlich naiven Louison (Magdalena Kleinow), zusammen. Es vergeht kein Tag, an dem Argan nicht irgendein Medikament oder ein „Klistierchen zwecks Befeuchtung und Einweichung der Eingeweide des gnädigen Herrn" verabreicht bekommt. Dafür sorgen sein Arzt Purgon (Andreas Bigge) und sein Apotheker Fleurant (Arne Brandschwede), die ganz gut von den eingebildeten Krankheiten ihres Patienten leben.
Als Schwiegersohn für seine Tochter Angelique hat Argan den Sohn des Dr. Diafoirus (Andreas Wagner), den frisch gebackenen Arzt Thomas Diafoirus (Frederik Teutenberg) ausgesucht. „Ein Arzt in der Familie als Quelle für Arznei und Beratung", dieser aber hat sich längst in Cleante (Miriam Seiferlin) verliebt. Beim Antrittsbesuch des künftigen Schwiegersohns verspielt dieser auch die letzten Sympathien bei seiner künftigen Braut mit seinen abgedrehten Akademiker-Redensarten. Hausmädchen Toinette (bravourös Elena Volodcenko) versucht ihren Herrn davon zu überzeugen, dass seine Tochter heiraten darf, wen sie möchte, und versucht gleichzeitig, Argan von seiner Ärztesucht zu befreien. Dabei entpuppt sich die spitzbübische Toinette immer mehr zur Drahtzieherin des Geschehens. Als Verbündete Angeliques stellt sie sich offensichtlich auf die Seite derer Feindin Beline, die mit ihren übertriebenen Schmeicheleien und ihrer gespielten Fürsorge versucht, Argans Liebe zu erhalten und als Alleinerbin seines Vermögens eingesetzt zu werden, „Liebes, Ihr seid mein einziger Trost..."
Als „Managerin" der Situation gibt sich Toinette zunächst als Arzt aus und versucht ihren Herrn mit übertriebenen Diagnosen zu „heilen". „Ich empfehle, den Arm zu amputieren und ein Auge auszustechen, damit es dem anderen besser geht." Seinen Arzt bezeichnet sie nur als „Fuscher!" und besteht darauf: „Es ist die Lunge..."
Auch Argans Bruder Beralde (Laura Balzer) steht auf Angeliques Seite und bemüht sich redlich, Argan von seinem Krankheitswahn abzubringen und den Arzt in Misskredit zu bringen: „Man sieht euch an, dass ihr es nicht gewohnt seid, zu Gesichtern zu reden."
Toinette zieht schließlich alle Register und heckt gemeinsam mit Beralde einen Plan aus. Argan soll sich tot stellen, um herauszufinden, wer ihn wirklich liebt. Sein Trick verhilft ihm dazu, seine Frau, die eine „rührende Leichenrede" hält, als falsche Schlange zu überführen. Seine Tochter dagegen trauert aufrichtig: „Nach dem Tode meines Vater will ich nicht mehr von dieser Welt sein." Daher ist Argan bereit, der Ehe zuzustimmen unter der Bedingung, dass Cleante Arzt wird. Sein Bruder aber schlägt vor, Argan möge selbst Arzt werden und lässt ihn mit einer schnell arrangierten Promotion die Doktorwürde erringen: „Sobald man in Robe redet, wird jedes Geschwätz zur Weisheit." Deshalb nehmen zum Abschluss der Komödie alle Beteiligten eine Rolle an, denn „im Karneval ist alles erlaubt". In weiteren Rollen: Patrick Heer und Matti Kaiser. Regie: Miriam Degenhardt und Werner Humbeck, Souffleuse: Anika Wohlmeiner
Mit tosendem Applaus zollte das Publikum im Forum des Gymnasiums am Dienstagabend den schauspielerischen Leistungen des Literaturkurs der 12 Respekt. Von der Besetzung bis zur Maske eine hervorragende Inszenierung.
Bei der zweiten Aufführung kam die Alternativbesetzung mit Felix Schenuit, Nadine Schulte, Ann-Sophie Niggemann, Ann-Cathrin Raulf, Nicole Heppelmarin, Louis Weber, Frederick Krieger, Patrick Risse, Marcus Enste, Sarah Wiegelmann zum Zuge.
Bilderserien von Monika Nolte (WA) und Aaron Bamberg (WP/WR)














