„Der Markt braucht Monster“
Literaturkurs der Stufe 12 des Warsteiner Gymnasiums führte „Top Dogs“ auf
Viele Schüler gestalteten das Theaterstück und begeisterten das große Publikum im Forum
Machthungrige Manager, die irgendwie vom Weg abgekommen sind, ein Workshop bei einer Outplacement-Agentur, der die Entlassenen wieder in das Arbeitsleben vermitteln soll, gescheiterte Ehen, Eltern, die sich an die Namen ihrer Kinder nicht erinnern können – all das konnte man am Montag auf der Bühne im Forum des Gymnasiums bestaunen. Der Literaturkurs der Stufe 12 hatte fast ein Jahr lang mit Proben des Stückes „Top Dogs“ von Urs Widmer und der Vorbereitung des Abends verbracht. Was sie auf die Bühne brachten, war eine unterhaltsame Satire, die vor allem durch die facettenreichen Darsteller gut herüberkam. Zudem wurde sehr überzeugend mit den Klischeebildern abgehalfterter Manager und karrieregeiler Emporkömmlinge gespielt, ohne dabei zu vorhersehbar und unkreativ zu wirken.
In „Top Dogs“ wird die Arbeitslosigkeit von Topmanagern als Folge der zunehmend globalisierten Wirtschaft dargestellt. Einige entlassene Top-Manager treffen sich in einer Outplacement-Agentur. Dort wird ihnen eine Infrastruktur zur Verfügung gestellt, die ihnen bei der Bewältigung ihrer aktuellen Lebenssituation helfen. Durch therapeutische Maßnahmen wie Rollenspiele, Gangübungen, Tae Bo, Gespräche mit einer Psychologin sollten die traumatisierten Top Dogs wieder zu neuem Selbstbewusstsein und zur erfolgreichen Karrierefortsetzung geführt werden.
Die Sprache ähnelt häufig dem Kriegsvokabular. Sie zeigt auf der einen Seite die Härte des Wirtschaftslebens und auf der anderen den inhumanen Umgang im menschlichen Miteinander. „Der Markt braucht Monster.“ „Es ist vorbei mit den fetten Jahren.“ „Business, das ist Krieg, Blut und Tränen.“ „Lead, follow or get out of the wayâ€?, „Outplacement-Workshop, das ist kein Wochenendurlaub.“ Die verzweifelten Charaktere treffen eine weise Aussage nach der nächsten, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken.
Das Stück beginnt mit der Begrüßung von Herrn Deer (Benno Uennigmann; Zweitbesetzung Marius Heppe) in der Agentur. Agenturchefin Frau Wrage (Jessica Beberok), die sich mit den Worten „Wir haben bis heute noch jeden Klienten vermittelt – sozusagen…“ schmückt, nimmt ihn in Empfang und stellt ihn den anderen Protagonisten vor: Frau Jenkins (Sabrina Schleimer), die sich in einer unglücklichen Ehe mit Herrn Neuenschwander (Lars Schorlemer; Zweibesetzung Gereon Leifeld) befindet, der wiederum nie den Müll runter tragen will und seinem Porsche hinterher trauert. Er scheint mehr an dem Porsche zu hängen, als an der Frau - was ebendieser in einer Therapiesitzung mit Frau Nollendorf (Tina Novotny) klar wird. Außerdem lernt Herr Deer viele weitere Charaktere kennen: Frau Kampmann (Isabelle Gottschlich), die nach ihrer Entlassung drei Wochen in einem Hotelzimmer in der Karibik vor sich hin vegetiert hat, Herrn Bihler (Jan Bräutigam; Zweitbesetzung Jari Schöne), der seine Frau nur am Flughafen sieht, Herrn Krause (Andreas Meier; Zweitbesetzung: Sven Cordes), der von Panikanfällen und Wutausbrüchen geplagt wird und sich nicht an die Namen seiner Kinder erinnern kann und Herrn Müller (Benedikt Laumann; Zweitbesetzung: Sebastian Essfeld), der sich nichts sehnlicher wünscht, als seinem Chef von einem Berggipfel zu schubsen. Herr Tschudi (Matthias Sprave; Zweitbesetzung: Gerrit Balzer) fällt vor allem durch seine Unbeholfenheit beim Tai Bo Training mit Frau Schöneberger (Judith Meier; Zweitbesetzung: Katharina Franke) auf. In weiteren Rollen treten die Sekretärin (Sylvia Weber), die Praktikantin (Anja Gottbrath), ein Nachrichtensprecher (Manuel Falke) und ein Apokalyptischer Reiter (Janine Bräutigam) auf.
Für das technische Gelingen, das Bühnenbild, die Regieassistenz und weitere Hilfsarbeiten waren viele Schüler eingebunden. Die Leitung hatte in diesem Jahr Lehrerin Christa Schrewe-Richter übernommen.












