Jungen auf Selbstfindungskurs

28 Schüler des Gymnasiums Warstein bei „Jungenwelten“ im Pfarrzentrum St. Pankratius

Durch Aktionen wie Interviews sollen alle offener werden – „Treu“, „ehrlich“, „selbstbewusst“

Parallel zu den Mädchenwelten, wir berichteten gestern, laufen derzeit auch die „Jungenwelten“. Im Pfarrzentrum St. Pankratius treffen sich die 28 Jungen der Stufe neun des Gymnasiums und die acht „Teamer“. Diese bestehen aus vier Lehrern und vier außerschulischen Betreuern. Selbige werden diese Woche mit den Jungen über verschiedene, für sie wichtige Themen reden.

 

Gestern beschäftigten sich die vier Gruppen aus je sieben bis acht Schülern mit dem Oberbegriff „Frau“. Darunter gehörte zum einen, die Vorstellung der Frau über den perfekten Mann, aber auch die Vorstellung über die perfekte Frau, die auf großen Plakaten gezeichnet werden sollte. Dabei konnten die Jungen ihren Ideen und Gedanken freien Lauf lassen.

 

Auf weiteren Aushängen wurde von den Jungen zusammengefasst, welche positiven Eigenschaften eine Frau von einem Mann erwartet. Hierbei wurden viele unterschiedliche Antworten zusammengetragen, Eigenschaften wie „treu“, „ehrlich“, „selbstbewusst“ und auch „liebenswürdig“ wurden von fast allen genannt. Einige andere wie „handwerklich“ oder „Kavalier“ wurden nur von wenigen genannt. „Die Jungs bringen sich alle gut ein“, so ein Betreuer.

 

Das Verhaltensspektrum erweitern

 

Generell findet das Projekt unter den Jungen und Betreuern großen Anklang. „Ich find das Projekt gut“, äußerte sich Albert Schröder, Lehrer am Gymnasium Warstein. „Ich finde es besser als Schule und eigentlich ganz lustig“ betonte ein Schüler. Ein weiterer erklärte: „Die Themen sind sehr interessant und man lernt viel dazu.“ Zweck dieses Projektes des Gymnasiums Warstein ist es, „das Verhaltensspektrum zu erweitern“, schilderte Dipl.-Psychologe Holger Rick, der ebenfalls eine der Gruppen mitbetreut. Die Aktionen sollen zudem das Gewaltpotenzial lindern und den Teenies eine friedvollere Art der Verständigung vermitteln.

 

Außerdem soll sich das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern verbessern und durch die sinnvolle Trennnung der beiden Geschlechter eine lockere Atmosphäre aufgebaut werden, in denen die Jungen über ihre Probleme und Fragen offen reden können. „Denn grundsätzlich entwickeln sich Jungen in der Pubertät anders als Mädchen“, erörterte Holger Rick. „Die Bedingungen in der Schule für Jungen und Mädchen gehen weit auseinander“, fuhr er fort.

 

In den fünf Tagen wird versucht durch verschiedene Methoden den Schülern die Themen einfach und locker zu übermitteln. Einige davon sind unter anderem „Traumreisen“, in denen sie sich entspannen und von überflüssigen Gedanken losreißen sollen.

 

Die Betreuer führen aber auch offen Diskussionsrunden, in denen intensiv über Probleme, Gefühle und intime Dinge geredet wird. Wichtig ist aber, dass hierbei kein Leistungsdruck entsteht, den die Jugendlichen sonst tagtäglich in der Schule erleben. Vielmehr sollen diese Diskussionen frei und ohne Druck ablaufen.

 

Durch Aktionen wie Interviews in der Stadt sollen die Schüler offener und selbstbewusster werden und dadurch lernen, besser auf fremde Leute zuzugehen. Auch das selbständige Arbeiten und die Zusammenarbeit werden duch die „Jungenwelten“ gefördert, sodass sie im späteren Leben, wie zum Beispiel im Studium, das selbstständiges Arbeiten vorraussetzt, angewandt werden können. „Ich denke, das hilft mir auch in Zukunft“, berichtete ein Jugendlicher.

 

„Man lernt die Lehrer von einer ganz anderen Seite kennen, die man in der Schulzeit nicht von ihnen zu sehen bekommt“, schmunzelte eine Schülergruppe.

 

Lars Fischer: „Es ist ganz cool und abwechslungsreich, vor allem die Pausen machen mir sehr viel Spaß.“

 

André Cornelius: „Es gibt viele verschieden Aktivitäten, die viel Spaß machen. Man kann hier über alles reden.“


Freitag, 5. Februar 2010

Von: Nico Schrewe-Fromm u. Patrick Helle, WA 5.2.2010





 

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